Nach zwei aufeinanderfolgenden Rezessionsjahren verzeichnete die deutsche Wirtschaft 2025 ein kleines Plus von 0,2 Prozent, getragen von gestiegenen Konsum- und höheren Staatsausgaben. Das Schlussquartal überraschte mit einem Quartalsplus von 0,3 Prozent, dem stärksten Anstieg seit drei Jahren. Erste Signale einer konjunkturellen Belebung in der Industrie sind sichtbar. So überschritt der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im Februar die Wachstumsschwelle und der ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 88,6 Punkte, womit er die Markterwartungen übertraf. Noch ist das aber kein Grund für Euphorie, da der fortgesetzte Arbeitsplatzabbau und das schwache Verbrauchervertrauen die strukturelle Fragilität des Standorts weiter unterstreichen.
Die Hoffnungen auf eine nachhaltige Belebung ruhen auf den fiskalischen Impulsen der Bundesregierung. Das Sondervermögen in Höhe von 500 Mrd. Euro für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie die Aufstockung der Verteidigungsausgaben sollen mittelfristig Wachstumsimpulse liefern. Das ifo Institut schätzt den fiskalischen Beitrag auf 0,3 Prozentpunkte im Jahr 2026 und 0,7 Prozentpunkte im Jahr 2027, da ein Großteil der Mittel erst mit Verzögerung in der Realwirtschaft ankommt.
Die Winter-Prognosen der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute für 2026 reichen von 0,6 Prozent bis 1,3 Prozent. Wir rechnen mit einem Wachstum von 0,9 Prozent, da wir von positiven, aber verzögerten Effekten des Fiskalimpulses ausgehen. Die Maßnahmen adressieren reale Investitionsbedarfe, ersetzen jedoch keine Strukturreformen, etwa im Bereich Bürokratieabbau oder bei der Transformation des Industriesektors. Die deutsche Wirtschaft bleibt damit auf einem moderaten Erholungspfad. Ob ein tragfähiger Wachstumsschub entsteht, bleibt abzuwarten.
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