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Dossier: Wirtschaftslage und Prognose

Dossier: Wirtschaftslage und Prognose

Geprägt von neuen Herausforderungen unterliegt die globale Wirtschaft einem ständigen Wandel. Welche Folgen hat dies für Konjunktur und Märkte? Wohin entwickeln sich Finanzmarkt, Volkswirtschaft und Weltwirtschaft? Welche Rolle spielt die Versicherungswirtschaft? Hier finden Sie unsere Einschätzung zu ausgewählten Themen.

23.09.2026
Branchen-Perspektive

Konjunkturausblick auf die Versicherungswirtschaft Link kopieren

Die Stimmung in der deutschen Versicherungswirtschaft hat sich zum Jahresende 2025 eingetrübt. Nach den aktuellen Ergebnissen des ifo-Konjunkturtests für das vierte Quartal geht das Geschäftsklima spürbar zurück, insgesamt schätzen die befragten Versicherer die aktuelle Geschäftslage aber weiterhin solide ein. „Die Versicherer stehen wirtschaftlich auf einem guten Fundament, aber wir sind ein Spiegelbild der gesamten Volkswirtschaft“, sagt Jörg Asmussen, GDV-Hauptgeschäftsführer. „Wenn weniger gebaut wird, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, dann gibt es weniger zu versichern. Für 2026 rechnen viele Unternehmen daher mit anspruchsvolleren Marktbedingungen.“

Weitere Analysen zum aktuellen Branchengeschäftsklima stehen hier zur Verfügung.

Wirtschaftliche Perspektive

Europa in der Belastungsprobe Link kopieren

Das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran vom 15. Juni entschärft den Energiepreisschock der vergangenen Monate. Der Ölpreis der Sorte Brent verlor in den ersten zwei Juniwochen rund 17 Prozent. Wir gehen in unserem Basisszenario davon aus, dass die Entspannung anhält, rechnen aber weiterhin mit Ölpreisen oberhalb des Vorkriegsniveaus. Offen bleibt, wie stark der Schock noch auf Inflation und Wachstum in der zweiten Jahreshälfte durchschlägt. Im Euroraum schrumpfte das BIP im ersten Quartal um 0,2 Prozent, vor allem Irland und Frankreich zogen das Aggregat nach unten. Die Inflationsrate lag im Mai bei 3,2 Prozent. Die USA zeigen sich dagegen trotz steigender Inflation robust. Der Arbeitsmarkt ist stark, die Stimmungsindikatoren liegen in der Expansionszone. Die Inflationsrate stieg im Mai allerdings auf 4,2 Prozent, den höchsten Wert seit April 2023.

Die Europäische Zentralbank hat im Juni die Leitzinsen erstmals seit 2023 wieder angehoben, um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent. Sie verweist auf den anhaltenden Energiepreisdruck. Die EZB-Projektion für die Inflation 2026 wurde von 2,6 auf 3,0 Prozent angehoben. Wir rechnen mit einer weiteren Anhebung auf 2,50 Prozent im Herbst und danach mit einer längeren Pause. Die Fed hat die Zinsen Mitte Juni bei der ersten Sitzung unter dem neuen Chef Kevin Warsh unverändert gelassen. Der Markt rechnet aber inzwischen mit einer Anhebung um 25 Basispunkte in der zweiten Jahreshälfte.

Weitere Analysen zur wirtschaftlichen Perspektive stehen hier zur Verfügung.

Politische Perspektive

Leistungsfähigkeit des Versicherungssektors sichern Link kopieren

Die Versicherungswirtschaft gehört zu den Grundpfeilern unseres wirtschaftlichen und sozialen Gefüges. Mit über 500 Millionen Versicherungsverträgen bieten die Versicherer Risikoschutz und Vorsorge für nahezu jeden privaten Haushalt und jedes Unternehmen in Deutschland. Ihre Kapitalanlagen von 1,9 Billionen Euro sind eine bedeutende langfristige Finanzierungsquelle für Privatwirtschaft und öffentliche Hand. Zugleich sind die Versicherer mit ihrer einzigartigen Risiko-Expertise ein wichtiger Impulsgeber für Prävention und den sachgerechten Umgang mit Risiken – etwa in den Bereichen Naturgefahren und Cybersicherheit. Darüber hinaus ist Deutschland einer der international führenden Rückversicherungsstandorte.

Der demografische Wandel, die immer sichtbareren Folgen des Klimawandels, die rasanten Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz und die Zunahme der geopolitischen Konflikte – all dies erhöht die Bedeutung der Versicherer als Risikoträger und Partner im Risikomanagement. Gleichzeitig erfordert die notwendige Transformation unserer Volkswirtschaft erhebliche Finanzmittel zur Sicherung von Wachstumspotenzialen und zukünftigem Wohlstand. Auch als Kapitalgeber stehen die Versicherer damit noch stärker in der Verantwortung.

Die Leistungsfähigkeit der Versicherer ist dabei eng mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und den Standortbedingungen in Deutschland und Europa verknüpft. Wie wettbewerbsfähig der Versicherungsstandort Deutschland in Zukunft sein wird, hängt nicht nur von den Anstrengungen der Versicherer ab. Auch für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Versicherungswirtschaft sind Maßnahmen zur Sicherung der gesamtwirtschaftlichen Wachstumspotenziale von zentraler Bedeutung – von wirtschaftspolitischen Strukturreformen bis hin zum Abbau von Bürokratie. Wer private Investitionen, Innovation und Resilienz stärken will, muss die Rahmenbedingungen für Gesamtwirtschaft und Versicherungswirtschaft Hand in Hand verbessern.

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